6. Mai 2026

Bericht zum Jahr 2025 auf der Mitgliederversammlung am 5.5.2026

Bericht zum Jahr 2025 auf der Mitgliederversammlung am 5.5.2026

Paul Gerhard Stamm

Liebe Mitglieder unseres Vereins, liebe Engagierte,

Man kann sie ignorieren, man kann versuchen, sie aus dem Land zu werfen – alles das kann man – und man kann auch sagen, das 80 % der Syrerinnen und Syrer das Land verlassen müssen – kann man sagen – und alle Asylanträge von Syrerinnen und Syrern ablehnen und direkt aus der ZUE abschieben – kann man machen – und man kann die Grenzen kontrollieren – den Zugang zu Sprachkursen verschlechtern- die Finanzierung der Asylberatung abschaffen  – kann man alles machen – und damit deutlich machen – wir wollen euch nicht – 

 Oder, auch das ist heute möglich, man kann Geflüchtete willkommen heißen. Ja, geht das denn auch? das geht? Spaniens linke Koalitionsregierung unter Ministerpräsident Pedro Sánchez hat sich für Letzteres entschieden: Mit ihrem Königlichen Erlass (316/2026 vom 14. April) „über die Rechte und Freiheiten von Ausländern in Spanien und deren soziale Integration“ gibt sie Hunderttausenden illegal im Land lebenden Immigranten die Möglichkeit, einen regulären Aufenthaltsstatus zu bekommen. Alles umstritten – aber es geht. Willkommenskultur – das haben wir doch auch mal gelebt. Und leben es in Aplerbeck noch.

Ich zitiere aus einem Buch von Prof Ludger Pries aus Bochum: „Sei ein Mensch! Achte, die Würde aller Menschen! Es gibt weder „Rassen“ noch rassistisch definierte „Völker“. Migration ist Teil unserer Evolution. Sie hat seit Jahr Millionen zur Vermischung und Vielfalt des Homosapiens geführt. Was wir sind, sind wir durch Migration. Wir können Migration ebenso wenig exakt steuern, wie die menschliche Evolution selbst. Wir können aber versuchen, unser Zusammenleben unter Beachtung der Gleichwertigkeit und Würde aller Menschen gerecht und nachhaltig zu gestalten.“ Genau das versuchen wir.

Sei ein Mensch – damit beginnt alles. Versetz sich in die Lage der Menschen, die zu uns kommen, die im Kleidertreff einkaufen, die nach einem Fahrrad fragen, die an Sprachkursen teilnehmen, die zum Repair Café kommen, die Beratung und Hilfe brauchen – wer sind die Menschen? Was haben sie erlebt? Was bringen sie mit? An Kraft, an Hoffnung, auch an Last, Verlust, Schmerz, Trauer – Sei ein Mensch – mitfühlsam.

Ein Blick in die Länder, aus denen die Geflüchteten kommen, macht uns still, bescheiden und dankbar. Auch wenn die Straße von Hormus geschlossen ist – es geht uns im Vergleich vieler vieler Menschen sehr gut. Wir spüren die Veränderungen auf der Welt und vieles macht uns sprachlos verbunden mit Ohnmachtsgefühlen. Wir sehen die Menschen, die zu uns kommen, sehen sie mit Würde ausgestattet und gleichwertig. Das sind wir – die Flüchtlingshilfe Aplerbeck

Seit 10 Jahren versuchen wir solidarisch an der Seite der Geflüchteten zu stehen. Darauf können wir alle stolz sein – dass es uns immer noch gibt, dass ihr alle immer noch mitmacht.

Ihr, die ehrenamtliche Mitarbeitenden, seid das Herz des Vereins, die treibende Kraft, der Motor – ich kann immer nur wieder danken, dass es auch alle gibt.

Auf drei Themen, die uns beschäftigt haben, möchte ich jetzt eingehen.

Reparatur des Aufzugs, Satzungsänderung und Homepage.

Leider war der Aufzug defekt und hat uns sehr viel beschäftigt. Wir mussten mehrere Kostenvoranschläge für die Reparatur einholen und waren schockiert, dass es 30.000 € kosten soll. Den Aufzug brauchen wir ja für den Transport der Kleiderkisten rauf und runter. Er ist unverzichtbar. Wir sind sehr dankbar, dass Dino sich intensiv um die Reparatur gekümmert hat und Beate für die ständige Kommunikation mit den Unternehmen und dem TÜV zur Verfügung stand. Alles hat Nerven gekostet. Nach langem Hin und Her und viel Arbeit ist es gelungen, dass der Aufzug repariert wurde und vor allen Dingen nun auch endlich vom TÜV abgenommen wurde. Das war eine unendliche Geschichte. Herzlichen Dank euch beiden, die ihr euch so intensiv darum gekümmert habt, und noch einem Dritten ist zu danken, Bernhard, er hat Spenden akquirieren können, so dass wir sehr gut die Reparatur des Aufzugs finanzieren konnten. Auch dir herzlichen Dank.

Das zweite Thema, das uns im Jahr sehr intensiv beschäftigt hat, war die Satzungsänderung. Viele haben es mitbekommen, dass unsere Satzung uns auf Aplerbeck als Handlungsraum einschränkt. Alles, was wir tun, muss hier in Aplerbeck geschehen. Das wollten wir ändern und erweitern. 

Wir haben schon in der Vergangenheit aus dem Überschuss, den der Kleidertreff erwirtschaftet hat, zum Beispiel die Tafel in Dortmund unterstützt, oder das Frauenhaus, oder das Gasthaus und auch Aktivitäten zum Welt Flüchtlingstag und auch ein Projekt eines Arztes in Bolivien., usw.

Leider war das nicht Satzungskonform. Die Satzung wollten wir unserer Praxis anpassen.

Zunächst haben wir, nach Auskunft eines Anwalts, geglaubt, dass man mit einer Abstimmung in der Mitgliederversammlung die Satzung ändern kann. Das Amtsgericht hat allerdings anders entschieden und uns auferlegt, dass alle Mitglieder des Vereins einer Satzungsänderung zustimmen müssen. Wir haben dann den 100 Mitgliedern den Änderungsentwurf zugeschickt und um Zustimmung gebeten. Von 100 Mitgliedern haben 98 zugestimmt. Leider reichte das nicht und damit war die Satzungsänderung gescheitert.

Gespräche mit der Frau, die nicht zugestimmt hat, haben leider nicht zum Erfolg geführt. Sie und ihr Sohn sind dabei geblieben, dass unser Verein allein in Aplerbeck und für Aplerbeck aktiv sein darf.

Das ist sehr ärgerlich, aber leider nicht zu ändern. Wir haben dann überlegt den Verein aufzulösen und einen neuen Verein zu gründen – natürlich die Flüchtlingshilfe Aplerbeck. Das ist aufwendig und dauert auch lange, so dass wir diesen Weg auch wieder verworfen haben. Es bleibt also alles, wie es ist. Schade.

Dennoch haben wir das getan, was wir auch in den Vorjahren immer getan haben. Wir haben Projekte außerhalb von Aplerbeck unterstützt.

1000 € haben wir überwiesen an die Organisation „United for Rescue“, für die Aufnahme von Rettungsflügen mit der „Seabird 3“ zur Entdeckung von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer.

2000 € haben wir dem psychosozialen Zentrum Dortmund zugutekommen lassen. Das PSZ, das psychosoziale Zentrum der AWO in Dortmund betreut ausschließlich Flüchtlinge, die sich in psychischen Notlagen befinden und unbedingt Beratung brauchen.

Die Ukrainehilfe haben wir auch mit 2000,-€ unterstützt, damit Stromgeneratoren für Krankenhäuser angeschafft werden können – gerade im Winter.

Des Weiteren haben wir einen kleinen Verein unterstützt. Abjad Initiative für Bildung e.V. 

Der Verein hier in Dortmund sammelt Materialien für Schulen in Syrien. Wir haben Material gesammelt Stifte, Hefte, Schultornister usw. und darüber hinaus den Transport des Containers mit 2000 € mitfinanziert.

An dieser Stelle wieder ein Dankeschön an die unermüdlich sortierenden Frauen im Kleidertreff. Ohne euch, ohne die Fahrradwerkstatt und das Repair Café könnten wir die Spenden nicht machen.

Kurz ein paar Worte zur Homepage. Sie ist neu. Und wir glauben, dass man sie gut nutzen kann, übersichtlich und lebendig – und hoffentlich immer aktuell. Wir bemühen uns. Ein Blick auf die Homepage lohnt sich.

Und noch etwas: Die Xantenfahrt vom 13.-16.Oktober 2025 mit 48 Teilnehmern.

Dem Organisationsteam Monika, Marlis, Jutta, und Walther danke ich ganz herzlich. Wie schon in den vergangenen Jahren habt ihr das außergewöhnlich gut gemacht.

In der ZUE, der zentralen Unterbringungseinrichtung, für Geflüchtete in der Schleefstraße bieten wir für die Erwachsenen Sprachunterricht an. Das ist neu. Hier bei uns ist das schon viele Jahre so. Unglaublich wie langfristig und treu ihr das hier macht. Zur Zeit sind 8 ehrenamtliche Lehrerinnen dort in der ZUE aktiv. Und bald werden wir auch die Kinder dort unterrichten können. 10 Ehrenamtliche werden zur Zeit auf den Einsatz vorbreitet.

Zum Schluss noch eine Besonderheit. Das Team vom Repair Cafe hat sich beim INNOVATIONSSPRINT gegen Elektroschrott, einem Wettbewerb, beworben. Der Wettbewerb zeichnet Initiativen aus, die innovative Ideen für die Wiederverwertung und das Recycling von Elektroschrott in der Region Dortmund entwickeln.

 Auf der Homepage der Initiatoren heißt es: „Den Publikumspreis gewann das Team vom Repair Café Dortmund Aplerbeck, einem Angebot der Flüchtlingshilfe Aplerbeck e.V.. Hochwertige Haushaltsgeräte, die bereits auf dem „Schrott“ gelandet sind, werden mithilfe von Ehrenamtlichen eingesammelt, überprüft und gegebenenfalls instandgesetzt, um sie anschließend einer zweiten Verwendung zuzuführen.“ 3000,- € habt ihr bekommen. Herzlichen Glückwunsch.

Ein letztes Dankeschön an den Vorstand, meine Vorstandsmitglieder und Beisitzer. Ich finde ihr, wir, machen das gut. Wir arbeiten in einer guten Atmosphäre zusammen. Mir macht es sehr viel Freude mit euch den Verein zu leiten. Euch und Beate herzlichen Dank.

 „Sei ein Mensch! Achte, die Würde aller Menschen!“

 Lasst uns alle in diesem Sinne weiterarbeiten.Danke

Gewählt wurden auf der Mitgliederversammlung mit großer Mehrheit:

zum Schatzmeister: Bernhard Christiansen

zur Beisitzerin. Ute Hinz